Neue Osnabrücker Zeitung, 09.03.2017

Uni Osnabrueck Evaluation
Wissenschaftler in Aktion: Jette Caballero Miranda (links) und Imke Aljets kopieren die Fragebögen, mit deren Hilfe sie die Qualität des Schullebens an der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln untersuchen. Gespannt auf die Ergebnisse ist nicht nur Lehrer Kai Schröter. Foto: Ulrike Havermeyer

Seit dem zweiten Jahr ihres Bestehens – also seit 2015 – kooperiert die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln mit der Forschungswerkstatt der Uni Osnabrück. Das Ziel: die Qualität des Schullebens nicht nur aus dem Bauch heraus zu beurteilen, sondern wissenschaftlich zu untersuchen.

Evaluation heißt das Zauberwort, das den oftmals doch eher vagen Gefühlen – „Ich glaube, die Eltern sind mit dem Unterricht an unserer Schule ganz gut zufrieden“ – präzise erhobene Fakten gegenüberstellt – „Die Elternzufriedenheit an unserer Schule beträgt nachweislich 97 Prozent“. Vereinfacht gesagt, geht es bei der Evaluation also darum, eindeutige Antworten auf klar formulierte Fragen zu erhalten – und aus der Vielzahl der Ergebnisse dann abgesicherte, objektive Informationen zu gewinnen.

Empirische Datenerhebung wäre ein weiteres hübsches Fremdwort, das diesen nüchternen Prozess der systematischen Befragung beschreibt. In der Forschungswerkstatt Schulentwicklung der Uni Osnabrück ist das Verfahren nicht nur ein bewährter Standard, sondern bietet den angehenden Lehrern auch eine willkommene Gelegenheit, den akademischen Hörsaal zu verlassen, um eine deftige Prise pädagogische Realität zu schnuppern.

Die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln ist die einzige Schule aus NRW, die in das Forschungsprojekt der Uni aufgenommen wurde – „ein absoluter Glücksfall“, wie Schulleiter Manfred Stalz versichert. Schließlich böten die Umfrageergebnisse eine wichtige Grundlage dafür, das Schulleben konsequent zu verbessern. „Ein toller Nebeneffekt ist, dass die Schüler durch die regelmäßigen Fragebogen-Aktionen mitbekommen, dass diese Schule lebt“, beschreibt Stalz. „Die merken: Wir können was verändern. Die Erwachsenen fragen uns – und nehmen das, was wir sagen auch ernst.“

So haben die Jugendlichen bei einer früheren Umfrage kritisiert, dass sie beim Arbeiten in Tischgruppen zu wenig Zeit und zu wenig Platz hätten. „Daraufhin haben wir unseren Ansatz des kooperativen Lernens umgestellt“, erläutert der Schulleiter: „Wir versuchen jetzt, mehr Räume, auch mehr Zeiträume für die Schüler zu schaffen.“

Der Ausbau des E-Mail-Verteilers und die Einführung eines Eltern-Logbuchs zur Verbesserung der Kommunikation sind weitere Veränderungen, die die Evaluationen der Studenten angestoßen haben.

Große Pause in der Gesamtschule: Jette Caballero Miranda und Imke Aljets machen sich am Kopierer zu schaffen. 150 vierseitig bedruckte Fragebögen wirft der Apparat aus, die die beiden Master-Studentinnen gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Laura Oevermann erstellt haben. Sie wollen herausfinden, ob die Sechstklässler mit den bestehenden Profilkursen der Gesamtschule zufrieden sind, oder ob sie sich andere Angebote wünschen. „Das ist für uns eine Win-Win-Situation“, sagen die beiden Studentinnen, „wir profitieren davon, ganz nah an der Schule zu sein, und die Schule profitiert von unseren Ergebnissen.“

Eine Feststellung, die Kai Schröter nur bestätigen kann. Schröter unterrichtet an der Gesamtschule und koordiniert die Zusammenarbeit mit der Forschungswerkstatt. „Jedes Jahr kommen zwei bis drei Studentengruppen zu uns“, freut er sich über das ungebrochene Interesse. „Zwei Studentinnen schreiben sogar ihre Masterarbeiten über die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln.“

Während sich die Lehrer auf das Ergebnis, ob sie mit den derzeit angebotenen Profilkursen tatsächlich das Interesse der Schüler treffen, noch ein paar Monate gedulden müssen, steht die Auswertung einer weiteren Untersuchung unmittelbar bevor: Eine Gruppe Studenten hat die Real- und die Gesamtschüler befragt, wie sie eigentlich miteinander klarkommen – in den Pausen, auf dem Schulhof, bei gemeinsamen Aktionen. „Auf die Auswertung sind wir schon sehr gespannt“, sagt Schröter. Zur Vorstellung der Ergebnisse sind neben den Lehrern auch die Schülervertreter der beiden Schulformen eingeladen.

Und was planen Lehrer, Studenten, Schüler und Eltern für die Zukunft? „Zu Beginn des Projekts hatten wir Sorge, dass uns die Fragen irgendwann ausgehen“, erinnert sich Manfred Stalz und schmunzelt, „aber von jedem Ergebnis gehen immer wieder neue Impulse aus – und daraus ergeben sich immer wieder neue, spannende Fragen.“ Mit anderen Worten: Es bleibt viel zu tun für die Wissenschaftler.