Westfälische Nachrichten, 09.11.2016

Gesamtschule Lotte Westerkappeln erstellt ein eigenes Inklusionskonzept Jedes Kind hat Foerderbedarf image 630 420f wnDie Organisation der Fortbildung lag in den Händen von Annika Landwehr und Kai Schröter Foto: Gesamtschule Lotte-Westerkappeln

Westerkappeln/Lotte -
„Jedes Kind hat einen Förderbedarf“, sagt Manfred Stalz, Leiter der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln. Das Kollegium hat sich jetzt bei einer schulinternen Lehrerfortbildung mit den Themen „Inklusion und Stärkenförderung“ beschäftigt.

Donnerstag im Klassenraum der 6c. Jemand steht vorne und moderiert. In den Tischgruppen wird diskutiert. Eigentlich ein ganz normaler Schultag. Im Raum sitzt an diesem Tag aber keine Klasse, sondern das Kollegium der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln. „Schilf“ steht auf dem Stundenplan.

Ausformuliert nennt sich die Veranstaltung schulinterne Lehrerfortbildung, an der jetzt die Lehrerinnen und Lehrer sowie Heil- und Sozialpädagoginnen teilgenommen haben, während die Schüler an diesem Tag daheim an ihren Studienaufgaben arbeiten mussten, wie die Gesamtschule schreibt.

Eine sogenannte „Schilf“ wird laut Mitteilung zweimal im Jahr gemacht. „Es ist wichtig, dass wir uns diese Zeit nehmen“, erklärt Manfred Stalz, Schulleiter der Gesamtschule, „da wir eine Schule im Aufbau sind und viele unserer Konzepte an diesen intensiven Arbeitstagen entstehen und noch entstehen werden.“

So sei während einer der vergangenen Fortbildungen das Inklusionskonzept entstanden. An der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln werde der Inklusionsbegriff nämlich weiter gefasst als an vielen anderen Schulen. Im Regelfall gehe es in der Inklusion um die Teilhabe von Kindern mit einem Förderbedarf am Unterricht, also wie könne zum Beispiel ein Kind mit einer Lern- oder Hörbeeinträchtigung speziell gefördert werden.

Manfred Stalz wird nach eigenen Angaben bei Infoveranstaltungen oft gefragt, wie viele Kinder mit besonderem Förderbedarf im Jahrgang seien. Seine Antwort: „Alle Kinder des Jahrgangs.“ Denn so laute das Inklusionskonzept der Schule: „Es geht uns bei Inklusion um das Wegräumen von Hindernissen eines jeden Einzelnen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Lernprozess.“ In diesem Sinne habe jede Schülerin und jeder Schüler früher oder später einen Förderbedarf. Der Jugendliche in einer persönlichen Krise profitiere deshalb genauso von dem Konzept wie das begabte Kind oder der Schüler mit einer verzögerten Sprachentwicklung.

Zwei Kollegen der Gesamtschule sind in diesen Bereichen laut Mitteilung besonders geschult. Annika Landwehr als Förderschullehrerin und Kai Schröter, der gymnasiales Lehrramt studiert und sich im Bereich der Begabungsförderung fortgebildet hat. Daher hatten die beiden Pädagogen die Fortbildung für ihr Kollegium vorbereitet und als Expertin im Bereich „Inklusion“ die Dozentin Dr. Saskia Erbring eingeladen.

Im Anschluss an den Vortrag „Inklusion und Stärkenförderung“ teilte sich das Kollegium in kleinere Fachgruppen auf, um zu überlegen, wie die Stärkenförderung in den jeweiligen Fächern, im Ganztag und in den Klassenteams realisiert werden kann.

Die Resultate der Gruppen wurden dann am Nachmittag vorgestellt. „Jetzt sind wir mit unserem Schulprogramm wieder einen großen Schritt weiter“, stellt Lehrer Kai Schröter fest. Die Ergebnisse sollen demnächst auf der Homepage der Gesamtschule vorgestellt werden.