Westfälische Nachrichten, 05.10.2016 (von Ann-Christin Weimar)

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Teller leer gegessen: Auch Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und ihrem Lotter Kollegen Rainer Lammers hat es gut geschmeckt. Foto: Ann-Christin Weimar

 

Vor drei Monaten hat die Stattküche Münster die Mensa im Schulzentrum übernommen und „smart eating“ eingeführt. Das bedeutet „schlaues Essen“. Was damit gemeint ist, durften jetzt die Eltern testen.

17 Uhr. Die Schüler sind längst zu Hause. Die Mensa ist geschlossen. Eigentlich. Denn heute ist das anders: Die Türen sind geöffnet, der Duft von leckerem Essen füllt den Raum. Nach und nach treffen die Eltern der Gesamtschüler und die Mitarbeiter des Fördervereins Wespe zum Probeessen ein, zu dem die Stattküche Münster als Betreiberin der Mensa eingeladen hat. Das vor drei Monaten eingeführte „smart eating“ darf getestet werden.

 „Smart eating“ bedeutet „schlaues Essen“ und ist mit einem Buffet vergleichbar. Die Kinder haben die Auswahl zwischen einem wechselnden Tagesgericht, Pizza, Nudeln und Salat. An der Nudelbar gibt es jeden Tag verschiedene Sorten und Soßen, beim Salat ist ebenso Vielfalt angesagt. Pizza gibt es meistens in der Variante Margherita. Anschließend können sich die Schüler Nachtisch an der umfangreichen Dessertbar holen.

Doch heute sind die Eltern an der Reihe, sich bekochen zu lassen. Das Tagesgericht: Reis mit Rindergeschnetzeltem in Champignon-Rahm-Sauce. Das Essen besteht den Geschmackstest, die etwa 80 Gäste sind zufrieden, wie die WN beim Rundgang um die Tische herausgehört haben. Die Eltern finden vor allem die große Auswahl des Essens und die Geschmacksqualität gut. Andrea Reichelt, Mutter einer Gesamtschülerin, lobt besonders die Möglichkeit, sich nachzunehmen, wann man möchte. „Vorher mussten die Kinder für einen

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Foto: Ann-Christin Weimar

Nachschlag bis halb zwei warten, das ist jetzt besser geregelt“, findet sie.

Auch finden die Eltern, dass das Essen der Mensa genügend Alternativen für eine gesunde Ernährung bereitstellt. So ist zum Beispiel in der Dessertbar jeden Tag Obst vorhanden. Die Befürchtung einiger Eltern, dass die Kinder hauptsächlich Pizza essen, ist offensichtlich kaum eingetreten. Nur vereinzelt ist der Vorschlag zu hören, die Pizzaausgabe zu reduzieren.

Angebote für Vegetarier und Muslime sind ebenfalls vorhanden. Das sei gerade für Flüchtlingskinder wichtig. Diese würden am liebsten Pizza essen, da sie sich noch nicht an die deutsche Küche gewöhnt hätten, sagt Flüchtlingshelferin Lema Abdullah.

Dass das Konzept erfolgreich ist, bestätigen vor allem die gestiegenen Anmeldezahlen. „Es sind nachträglich viele Anmeldungen dazugekommen“, berichtet Gabi Hermann, Geschäftsführerin im „Haus der Wespe“, wo der Offene Ganztag der Grundschule stattfindet.

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Foto: Ann-Christin Weimar

Waren es zuvor noch täglich ungefähr 140 bis 150 Kinder, die in der Mensa der Gesamtschule Mittag aßen, sitzen dort mittlerweile bis zu 400 Kinder regelmäßig an dne Tischen, darunter nun auch die Grundschüler. Für die Kinder der ersten und zweiten Klassen wird das Essen sogar an den Tisch gebracht.

Organisatorische Schwierigkeiten habe es bei der Umstellung nicht gegeben, erzählt Melanie Sträfling. Die gelernte Hauswirtschafterin aus Wersen leitet das sechsköpfige Mensateam. Sie betont vor allem den Vorteil der Wiederverwertung von Nahrungsmitteln und nutzt diese um auch frisch zu kochen.