Westfälische Nachrichten, 12.06.2016

Der Pädagoge Pascal Rennen gab jetzt rund 100 Müttern und zehn Vätern Tipps und Lerntechniken an die Hand, mit denen Eltern ihre Kinder möglichst konfliktfrei bei der Erledigung von Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Klassenarbeiten unterstützen können. Von Dietlind Ellerich

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Dem Wust des Lernstoffs können Schüler Herr werden, wenn sie systematisch vorgehen, meint Experte Pascal Rennen. Foto: dpa 

 „Das Lernen lernen“ lautete das Thema des Vortrags, in dem der Pädagoge Pascal Rennen rund 100 Müttern und zehn Vätern Tipps und Lerntechniken an die Hand gab, mit denen Eltern ihre Kinder möglichst konfliktfrei bei der Erledigung von Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Klassenarbeiten unterstützen können.

Mit dem Lerncoach vom gemeinnützigen Verein „LVB Lernen“ hatten die Veranstalter, die Grundschule am Bullerdiek und die Gesamtschule Lotte­Westerkappeln, in der Aula des Schulzentrums einen Referenten an Bord, dem es mühelos und kurzweilig gelang, sein Publikum gut zwei Stunden bei Laune zu halten und ihm Lust auf die kommenden Schuljahre mit ihren Kindern zu machen.
Mit seiner lockeren Art, mit launigen Bemerkungen und ein bisschen Show hat er die Eltern binnen Sekunden im Boot, lässt sie Fäuste machen und die Hände falten und erklärt so erst einmal ganz nebenbei, wie die beiden Gehirnhälften funktionieren, und wie Informationen über das Ultrakurzzeitgedächtnis (Filter) ins Kurzzeitgedächtnis (Zentrale oder Werkstatt) gelangen, um später im Langzeitgedächtnis, einer riesigen Lagerhalle, gespeichert zu werden. 

„Kategorien bilden“ heißt das Erfolgsgeheimnis, mit dem man dem Wust des Lernstoffs, der während der Schulzeit auf die Kinder einstürze, Herr werde, behauptet er und macht das ganz plastisch deutlich, als er das Publikum 20 Wörter auswendig lernen lässt. Die Gruppe, denen er die Wörter sortiert an die Hand gibt, kann sich deutlich mehr merken, als die anderen. Auch Vokabeln und unregelmäßige Verben ließen sich so besser lernen, sagt Rennen und hat mit seiner Überzeugung in Nullkommanichts diejenigen im Boot, die während ihrer eigenen Schulzeit an eben diesen Lerninhalten gelitten haben.

Reimsprüche, Bekanntes mit Neuem und den Lernstoff mit Bildern verknüpfen, kreatives Lernen, Karteikartensystem, Rennens Tipps sind sicher nicht neu, machen am Abend aber Spaß und dem einen oder anderen Elternteil Mut, der weiteren Schullaufbahn von Tochter oder Sohn gelassener entgegen zu sehen. Vor allem bei der Vorstellung der vier Lerntypen von logisch­abstrakt über sicherheitsliebend und emotional bis zu kreativ­chaotisch läuft der Lerncoach zur Hochform aus. „100 Prozent gibt es nicht, jeder ist ein Mischtyp“, macht Rennen deutlich, dass es auf das Umschalten vom einen auf den anderen Typen ankomme. „Das erfordert Training“, stellt er klar, dass Eltern bei der Unterstützung ihres Kindes nicht mit der Brechstange vorgehen, sich stattdessen in Geduld üben sollten. 

Alles in allem ein unterhaltsamer und informativer Abend mit jeder Menge Tipps und Anregungen, auf die sich die Frauen und Männer in der Aula des Schulzentrums gerne einlassen. Nervig war allerdings die Dauerwerbung für eine kostenpflichtige Nachhilfeplattform.