Westfälische Nachrichten, 12.05.2017 (von Katja Niemeyer)

Gemüse aus dem Kohlenschacht

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Pesten mit Scootern über Rampen: Die Jungs von der Projektgruppe um Sportlehrer Andreas Wilms. Foto: Katja Niemeyer

Im Technikraum der Gesamtschule werkeln Simon (12) und Evelyn (14) an einer großen Konstruktion. Wenn sie fertig ist, soll es einen Ibbenbürener Kohlenschacht darstellen, in dem Gemüse angebaut und automatisch an die Oberfläche transportiert wird. Solche spanennden Ideen und Aktionen gab es bei den Projekttagen.

Am Standort Westerkappeln der Gesamtschule ist es in diesen Tagen ziemlich turbulent zugegangen. Während die einen kochten, dichteten oder mit Stunt-Scootern durch die Quarter Pipe sausten, schwärmten die anderen aus. Sie suchten sich kleine Jobs, um Geld zu verdienen für einen guten Zweck, oder sie beobachteten die Natur. Für rund 150 Siebtklässler standen Projekttage auf dem Stundenplan.

Das heißt: Eine Woche lang bestand der Unterricht nicht aus Vokabeln pauken oder Rechnen, sondern aus Aktivitäten, die die Schüler vielleicht immer schon einmal machen wollten oder für die sie sich ganz spontan entschieden.

Im Technikraum werkeln an diesem Vormittag Simon (12) und Evelyn (14) an einer großen Konstruktion aus Spanplatten und modernster Technik. Wenn es fertig ist, soll es einen Ibbenbürener Kohlenschacht darstellen, in dem Gemüse angebaut und automatisch an die Oberfläche transportiert wird. Die Schüler haben sich Gedanken darüber gemacht, wie das Bergwerk, das 2018 geschlossen werden soll, zukünftig genutzt werden kann.

Unbenannt
Tüfteln an einer unterirdischen Gemüseproduktion: Evelyn und Simon Foto: Katja Niemeyer

„Bei unserem Projekt geht es um Nachhaltigkeit“, erläutert Simon, während er geschickt eine Schraube nach der anderen in das Modell dreht. Simon scheint voll in seinem Element zu sein. Er findet, dass man Gemüse aus der Region essen sollte, „weil sonst beim Transport über Tausende Kilometer viel zu viel schädliches Kohlendioxid entsteht.“

Die beiden Schüler sind überzeugt, dass ihr Gemüse in der Tiefe gut gedeihen kann. Das Klima dort unten sei ideal und für das passende Licht würden LED-Leuchten sorgen, erzählen sie.

In der Küche der Schule laufen derweil die Öfen und Mixgeräte heiß. Die Projektgruppe „Street Food“ hat vegane Nussecken, Falafel, Baklava und Wraps auf die Speisekarte gesetzt. Während der 14-jährige Jeremy schon einmal das Öl in der Pfanne erhitzt, formt der 13-jährige Nik das Hackfleisch zu kleinen Bällchen.

Kochen
Braten Falafel: Die Schüler Jeremey und Ni Foto: Katja Niemeyer

Ein paar Tische weiter sind Süheyl, Elies, Max und Sophia mit Unterstützung von Projektmitarbeiterin Anna Stalz mit der Zubereitung des Teigs für die Nussecken beschäftigt. Und draußen vor der Tür warten Joselin, Lara, Nils und Finn auf Abnehmer für die Speisen. Auf einem Tisch haben sie die Leckereien ausgebreitet. Koch will von ihnen aber vorerst niemand werden. „Das ist mehr so ein Hobby“, sagt die 12-jährige Joselin.

Verkauf
Der Verkauf läuft Foto: Katja Niemeyer

Heiß, wenn auch auf eine andere Art, geht es auch vor der Schule zu. In dem Skaterpark versammeln sich jeden Morgen rund 15 Jungs, um unter der Anleitung von Sportlehrer Andreas Wilms mit ihren Stunt-Scootern über diverse Rampen zu pesen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Quarter Pipe dar, von der sich bislang nur der 12-jährige Justin mit seinem Hightech-Tretroller sicher herunterstürzt.

Scooter
Foto: Katja Niemeyer

„Dazu gehört schon jede Menge Mut“, weiß Lehrer Wilms aus eigener Erfahrung. Die Schüler üben Tricks, die sie zuvor in Youtube-Videos ausgiebig studiert haben, und trainieren dabei ganz nebenbei Geschicklichkeit und Koordination, erläutert der Lehrer.

Acht Stunt-Scooter besitzt die Gesamtschule derzeit. Sie wurden vom Förderverein der Schule gestiftet. Weitere sollen angeschafft werden, verrät der Lehrer. Denn im kommenden Jahr soll aller Voraussicht nach eine Scooter-AG eingerichtet werden. So können die Kids auch weiterhin ihre Runden mit den coolen Rollern drehen, obwohl die Projekttage lange zu Ende sind.