Neue Osnabrücker Zeitung, 22.05.2017 (von Jannik Zeiser)

Roboter-Olympiade im Schulzentrum Westerkappeln

robot olmypiade Mai2017
Boxenstopp im Klassenzimmer: Emily und Marie bauen „Robby Robot“ auseinander. Foto: Jannik Zeiser

Im Westerkappelner Schulzentrum wurde am Samstag ein Regionalwettbewerb der „World Robot Olympiad“ (WRO) ausgetragen. Die Teilnehmer in drei Altersklassen bewiesen große Begeisterung für technische Basteleien und entwicklerische Kreativität.

Robby Rainbow scheint verwirrt. In kurzen Schlangenlinien fährt er eine schwarze Linie entlang und biegt dann, ein wenig zu früh, im 45-Grad-Winkel nach links ab. Seine Greifarme schnappen zu, fassen aber ins Leere. Seufzend nimmt Emily den kleinen Lego-Roboter aus seinem Parcours und trägt ihn zurück zum Basteltisch. „Der Motor ist defekt“, vermutet sie.

Der Countdown läuft

Gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Jule und Marie nimmt sie Robby einmal komplett auseinander, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Die Zeit drängt: Ein Countdown, groß an die Wand des Klassenzimmers projiziert, zeigt an, dass nur noch knapp 40 Minuten bleiben. Dann steht die zweite Runde im Wettbewerb an und Ronny muss seine Fähigkeiten beweisen. Emily, Jule und Marie sind Schulfreundinnen. Gemeinsam gehen sie in die Klasse 7c der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln. Über mehrere Monate hinweg haben sie Ronny entwickelt, gebaut und programmiert, um bei der Roboter-Olympiade in der Altersklasse Junior teilzunehmen – sie nennen ihr Team die „Robo Unicorns“. Passend zum Namen tragen sie hellrote Shirts mit einem Einhorn auf der Rückseite.

Auch KvG-Teams dabei

Neben den „Robo Unicorns“ sind noch einige andere Teams im Raum, die ihre Roboter auf den zweiten Durchlauf des Wettbewerbs vorbereiten: etwa „Little Bob“, ebenfalls von der Gesamtschule, sowie „2Fresh4u“ und „Die Bitfresser“, beide vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen.

Wie viele andere der Teams sind sie über Robotik-AGs ihrer Schulen auf den Wettbewerb gekommen. Für sie alle gelten die gleichen Bedingungen: Ihre Roboter sollen innerhalb von zwei Minuten verschiedene Aufgaben auf einem vorgegebenen Tisch erfüllen.

Thema „Nachhaltigkeit“

Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs lautet „Nachhaltigkeit“ und Aufgaben für die Roboter sind dem Motto entsprechend formuliert. So sollen neue Solarzellen an ihrem Einsatzort installiert werden, und für einen CO2-Ausgleich müssen die Roboter Bäume pflanzen. Sowohl „Bäume“ als auch „Solarzellen“ sind repräsentiert durch Lego-Türmchen. Auch alle Roboter basieren auf einem Lego-Bausatz. Für jede Teilaufgabe, die ihre Roboter erfüllen, bekommen die Teams Punkte. Zerstören die Maschinen dabei Teile des Parcours, gibt es Minuspunkte.

Roboter soll Solarzellen aufgabeln

Obwohl es für die vier Teams im Bastelraum nur einen Tisch zum Testen gibt, läuft das Nebeneinander der Konkurrenten erstaunlich harmonisch ab. Im schnellen Wechsel stellt jedes Team seine Geräte auf die Startmarkierung und versucht sein Glück. Der Roboter vom Team „Little Bob“ ist mit einer raffinierten Gabelvorrichtung ausgestattet, mit der er die Solarzellen anheben soll. Eine tolle Idee, nur funktioniert sie jetzt, nach einer ersten erfolglosen Wettbewerbsrunde, so gut wie nie.

„Wir wollen Kinder und Jugendliche für Technik begeistern“, erzählt Simon Hagen. Er engagiert sich für den Verein „Technik Begeistert“, welcher die „World Robot Olympiad“ in Deutschland ausrichtet. Hagen ist als Schiedsrichter der WRO vor Ort. Die WRO wird von Jahr zu Jahr beliebter: Vor fünf Jahren seien deutschlandweit knapp 30 Teams am Start gewesen. Inzwischen messen sich an die 500 Teams in 28 Wettbewerben in Deutschland.

Weltfinale in Costa Rica

Mitte Juni findet das Deutschlandfinale in Schweinfurt statt. Wer dort gut abschneidet, kann sich für das Weltfinale qualifizieren, das dieses Jahr in Costa Rica stattfindet.

Derweil machen die „Robo Unicorns“ Fortschritte: Robby greift in einigen Testdurchläufen erfolgreich nach der Solarzelle und stellt sie im vorgesehenen Feld ab. Doch technische Geräte von höherer Komplexität als gewöhnliche Taschenrechner sind bekanntlich tückisch: Selten tun sie zuverlässig das, was man von ihnen erwartet, und Robby hat definitiv seinen eigenen Willen. Als es in der Aula unter den Augen von Schiedsrichtern, Lehrern, Eltern und Mitstreitern ernst wird, verliert er auf dem Tisch plötzlich seine Orientierung. Auch in den folgenden beiden Runden bringt Robby seinen „Robo Unicorns“ keine Punkte.

Erfolg in der dritten Runde

Wie es sich jedoch für eine Olympiade gehört, zählt das Dabei-Sein mehr als der Sieg: „Es macht einfach Spaß, zusammen auf ein Ziel hinzuarbeiten“, sagt Jule. Beim Team „Little Bob“ stellt sich in der dritten Runde ein kleiner Erfolg ein: Roboter Bob schafft es tatsächlich, die Solarzellen aufzugabeln und wie vorgesehen abzustellen. Damit landet das Team auf Platz 4.

Die Altersklasse Junior gewinnen nach vier Runden schließlich „Nilseli“ aus Paderborn und „GyRa-Junior“ aus Rahden – sie qualifizieren sich damit für das Deutschlandfinale. In der Klasse „Elementary“ für die Acht bis Zwölf-Jährigen gewinnen die „Legoters“ und bei den Senioren (über 16 Jahre) entscheiden „TD“ den Wettbewerb für sich.

„Das hat sehr gut geklappt“, findet Jens Schütte, der mit seinem Kollegen Thorsten Freese die Roboter-Olympiade zum zweiten Mal nach Westerkappeln geholt hat.