Westfälische Nachrichten, Di., 26.04.2016

Die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln hat einen Kooperationsvertrag mit den Sportfreunden Lotte unterschrieben. Der Sportverein und die junge Ganztagsschule streben einen Austausch im Bereich Sport sowie beruflicher Orientierung an.

SFLotte

Freuen sich über die Partnerschaft (von links): Sandra Beer (IHK), Stefan Verlemann (stellvertretender Schulleiter), Manfred Stalz (Schulleiter), Hans-Ulrich Saatkamp (Vorsitzender Sportfreunde Lotte), Alexander Langlitz (Fußballer) und Marco Prütz (Marketingleiter SFL). Foto: Jannik Zeiser

„Wir sind eine Schule im Aufbau und auf lokale Vernetzungen angewiesen“, erklärte Schulleiter Manfred Stalz bei der Unterzeichnung der Vereinbarung im Stadion am Lotter Kreuz. Ein Großteil der Kinder aus Lotte werde in Zukunft die Gesamtschule besuchen, da sei die Verknüpfung mit dem örtlichen Profiklub eine große Chance. Sportfreunde-Vorsitzender Hans-Ulrich Saatkamp sagte, mit der Kooperation stelle sich der Verein seiner sozialen Verantwortung. Zwar werden die Sportfreunde hauptsächlich mit ihrer Fußballmannschaft in der Regionalliga assoziiert, Saatkamp betonte jedoch auch das große Angebot im Breitensport, das der Verein zu bieten habe: darunter Break-Dance, Cheerleading, der Selbstverteidigungssport Wavesy oder Tischtennis.

Somit ist die Zusammenarbeit natürlich besonders für den Fachbereich Sport der Schule attraktiv. Regelmäßige Kurse, angeboten etwa durch FSJler des Sportvereins, sollen in Zukunft das Schulsportprogramm bereichern, sagte der stellvertretende Schulleiter Stefan Verlemann. Ein erster Termin steht bereits fest: Am 23. Mai wird eine Schülergruppe das Stadion besichtigen und gemeinsam trainieren – unter anderem mit SFL-Profis. Schüler, die das Schwerpunktfach Fußball wählen, sollen außerdem bald Training unter professioneller Anleitung erhalten.

Vermittelt hat die Kooperation die Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Zusammenarbeit der Sportfreunde und der Gesamtschule sei für beide Seiten die erste Partnerschaft im Rahmen des IHK-Projekts „Partnerschaft Schule – Betrieb“, sagte die IHK-Beauftragte Sandra Beer. Nicht nur in sportlicher Hinsicht soll die Zusammenarbeit dabei fruchtbar sein, auch berufliche Perspektiven könne der Verein aufzeigen: etwa im kaufmännischen Bereich in der Geschäftsstelle.

Der SFL-Spieler Alexander Langlitz verfolgt derzeit neben seiner Spielerkarriere eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beim Verein. „Ab und zu verpasse ich daher ein Training, aber es ist mir wichtig, eine Perspektive für die Zeit nach dem Fußball zu haben“, erzählte der 25-Jährige. Diese Botschaft gelte es auch den Kindern zu vermitteln, die in der fünften oder sechsten Klasse teilweise den Berufswunsch „Fußballspieler“ verfolgen, waren sich die Lehrer einig. Daher ist ebenfalls angedacht, dass Spieler der Sportfreunde aus erster Hand von ihrem Beruf erzählen und hier Möglichkeiten aufzeigen.

Auch der Aufbau von AGs ist in Planung: Eine Medien- und Öffentlichkeitsarbeit-AG beispielsweise könnte an der Vereinszeitung der Sportfreunde mitwirken und TV- oder Radiobeiträge produzieren. Eine AG für Kunst und Handwerk könnte sich an Bannern und Fanchoreografien versuchen.

„Mittelfristig wollen wir für die Berufsorientierung in die Schule kommen“, sagte Marketingleiter Marco Prütz. Auch seien Praktika möglich, bei denen die Schüler in unterschiedliche Bereiche hineinschnuppern könnten: vom Platzwart über die Physiotherapie bis zur Geschäftsstelle. „Wir wollen die Kooperation so schnell wie möglich mit Leben füllen“, sind sich alle Beteiligten einig. „Das Modell Ganztagsschule ist auch eine Herausforderung für Sportvereine.“, gab Prütz zu bedenken. Den Schülern bleibe weniger Zeit für Freizeitsport außerhalb der Schulzeit.