Neue Osnabrücker Zeitung, 01.11.2016
(von Erna Berg)

04cd761d 6577 46c1 98dc a3323b23a185 pa2768742 201611011513 fullMorphius Eurapson-Quaye bringt Kindern an der Gesamtschule Lotte/Westerkappeln Rhythmus und afrikanisches Lebensgefühl näher. Foto: Erna Berg

Lotte. Nun ist Meistertrommler Morphius Eurapson-Quaye auch in Lotte angekommen. An der Gesamtschule Lotte/Westerkappeln in Wersen begeisterte er rund 150 Schüler in seinem Workshop. Mit dem Erlös seines Projekts unterstützt er junge Menschen in Winneba in Ghana.

Die Lärmschutztür zum Musikraum in der Wersener Gesamtschule bebt, denn dort trommeln die Fünftklässler mit vollem Körpereinsatz. Der zweite Workshop an diesem Vormittag geht seinem Ende entgegen. Unglaublich, in welch kurzer Zeit der ehemalige Hochschulprofessor für afrikanische Musik aus den anfangs noch etwas gehemmten oder auch übermütigen Schüler richtig gute Trommler gemacht hat.

Spenden zusammentrommeln

Im Rahmen seines Projektes „cte“ (center for talent expression) ist Morphius Eurapson-Quaye seit vielen Jahren in Deutschland unterwegs, um Kindern und Jugendlichen den rhythmischen Umgang mit der Trommel beizubringen. Dabei versucht er, Spenden zur Unterstützung seines Projektes zu sammeln, mit denen er afrikanischen Jugendlichen eine Berufsausbildung ermöglichen möchte.

Musik muss vom Herzen kommen

Bevor die Teilnehmer den Musikraum betreten, schreibt Morphius einen Text an die Tafel, der zum rhythmischen Trommeln gesprochen wird. Jolina kommt als erste rein und fragt Morphius, ob sie neben ihm sitzen darf. Sie darf, und ihre Freundinnen Pauline und Emely ziehen sofort nach. Greta lässt sich noch schnell ein Autogramm auf die Hand schreiben, dann füllt sich der Raum mit Schülern und Plaudergeräuschen. Noch ruhen alle Trommeln unberührt in der Mitte. „I’m your new friend, my name is Morphius. I come from Ghana in Afrika“, stellt der pensionierte Musikprofessor sich vor. Er spricht nur Englisch, aber so, dass alle ihn verstehen. Mit „Your eyes must look on me. (Ihr müsst mich ansehen)“, gewinnt er ganz schnell die Aufmerksamkeit der noch unkonzentrierten Schüler. Er zeigt ihnen eine gute Sitzhaltung, dann geht es los: „We go for Africa!“ Mit ganz viel Motivationspsychologie, Präsenz und sehr positiver Ausstrahlung zeigt er den Schülern, dass richtig gute Musik vom Herzen kommen muss.

Vom rhythmischen Sprechen zum Trommelfeuer

„Akaraka chi, akaraka cho. Boom“, üben die Schüler. Sie bewegen sich rhythmisch, trommeln zu jeder Silbe, steigern das Tempo, bis ein Trommelfeuer die Tür zum Beben bringt. Jonas darf sogar einen Solo-Trommelwirbel vorspielen. Die Musiklehrer der Gesamtschule Lotte/Westerkappeln Joachim Kuchenbecker und Günther Windoffer staunen über ihre Schüler. Mit „Bye, bye my friends“, verabschiedet sich der neue Freund aus Afrika.

Spenden für eine Berufsausbildung

Clemens Vollmer, Fachbereichsleiter für musisch-kulturelle Bildung der Gesamtschule Emsland, begleitet Morphius Eurapson-Quaye, der in traditioneller ghanaischer Kleidung gekommen ist. Vollmer hat ihn in Winniba besucht und berichtet, dass Morphius seit 1996 jedes Jahr für drei Monate in Deutschland weilt und von Flensburg bis Recklinghausen Workshops in Schulen anbietet. „Die Spendengelder kommen wirklich dort an, wo sie gebraucht werden“, betont Vollmer. „Die Ärmsten der Armen können durch diese direkte Unterstützung zur Schule gehen und eine dreijährige Berufsausbildung machen.“ Die Gesamtschule Emsland unterhält seit Jahren eine Kooperation mit der Bildungseinrichtung in Ghana „Centre for Talent Expression“

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