Westfälische Nachrichten, 03.07.2016 von Dietlind Ellerich

Ein Antike-Museum in der Schule: Die Sechstklässler der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln kennen sich fantastisch mit dem alten Rom aus – sie haben jetzt eine Ausstellung zu diesem Thema gestaltet, durch die so genannte Schülerguides jüngere Schüler kenntnisreich führen.

Antike

 

Das Römische Reich war vor vielen Jahrhunderten eine Weltmacht. Das weiß heute jedes Kind. Besonders gut Bescheid wissen aber die Sechstklässler der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln. Mehr als 30 von ihnen sind in diesen Wochen als Schülerguides im Einsatz. Sie führen Grundschüler, Eltern und auch Lehrer durch eine Ausstellung, die sie im Fach Gesellschaftslehre (GL) erarbeitet haben.

Vom Kolosseum über Villen und Militärlager bis zum Vesuv geht der Rundweg durch das Mini-Museum respektive durch die Geschichte, die die Mädchen und Jungen ziemlich beeindruckt. „Es ist noch soviel von den Römern geblieben, schade dass das Römische Reich kaputt gegangen ist“, bedauert Süheye aus der 6a, der am Freitagmorgen mit seinem Klassenkameraden Max sowie Roman und Viktor aus der 6d am Start ist und einer Gruppe von Viertklässlern der Grundschule am Bullerdiek Einblick in die Antike gibt.

Ins Kolosseum etwa, das als Eisstiel-, Lego- und Papier-Modell gleich dreimal im Ausstellungsraum steht. In die Mietshäuser, in denen die Menschen lebten, die sich die Villen nicht leisten konnten, aber auch in die Villen der Reichen. In die Sklaverei, die sie blöd finden und die es zum Glück heute nicht mehr gibt. In die Spiele, die die Menschen in Handarbeit herstellten, und die viel mehr Spaß machen, als heute mit der Konsole abzuhängen.

„Falls ihr eine Frage habt, bitte sofort melden“, weisen die vier Jungs die Jüngeren darauf hin, dass sie jederzeit für Rückfragen zur Verfügung stehen, und achten stets darauf, dass alle gut sehen können, wenn sie erklären, was es mit dem Limes auf sich hat, was die Häuser der Germanen von denen der Römer unterscheidet, weshalb die Römer wegen der Schildkrötenformation viele Kriege gewinnen konnten oder dass in Pompeji nach dem Ausbruch des Vulkans so viele Menschen im Ascheregen starben.

Eine tolle Inspirationsquelle für die Schüler war der Besuch des Museumsparks Kalkriese bei Bramsche, in dem sie sich nach Herzenslust schlau machen konnten, was zur Zeit der alten Römer und Germanen und auch der Varusschlacht nur unweit von Westerkappeln los war. „Nicht nur aus Büchern lernen, sondern selber etwas herstellen, es bis zum Ende fertigen und präsentieren“, beschreibt GL-Lehrer Kai Schröter das Konzept, das hinter der Ausstellung „Römer und Germanen“ steckt. Es ist nach einer von den Mädchen und Jungen konzipierten Unterrichtsstunde zum alten Ägypten und einer Zeitung mit Nachrichten aus dem antiken Griechenland das dritte Projekt, das die Schüler mit Begeisterung durchführen.

Dass sie als Hausaufgabe Unmengen von Streichhölzern für das große Militärlager zugeschnitten haben, verstand sich von selbst. Schließlich sollte alles möglichst so aussehen wie damals. 15 Schüler haben aus dem Material, das die 150 Schüler starke Jahrgangsstufe zusammengetragen hat, die Ausstellung im früheren Spieleraum der Schule aufgebaut. Wie im richtigen Museum dürfen Hinweise nicht fehlen, wie sich die Besucher zu verhalten haben. Zwar sollte es selbstverständlich sein, dass sie nichts anfassen, nicht rennen oder schubsen, laut sind oder streiten, aber ein Schild weist ausdrücklich darauf hin, dass den Anweisungen der „Aufpasser“ zu folgen ist. Für die Viertklässler am Freitagmorgen ist gutes Benehmen selbstverständlich. Beinahe mucksmäuschenstill verfolgen sie die Ausführungen der Schülerguides und bedanken sich für die Mühe, die sich die Großen gegeben haben.

ANtike 2

Süheye ist wie seine Mitschüler in seinem Element, wenn er Jüngeren aus dem antiken Rom berichtet. Hier erklärt er, wie sich die Soldaten für den Kampf rüsteten. Foto: Dietlind Ellerich