Westfälische Nachrichten, 17.12.2017 (von Araann J. Christoph)

Robotik in der Gesamtschule Lotte Westerkappeln Mit Kulleraugen und Fangzaehnen image 630 420f wn
Stolz führen die Schüler Justus Kahnt, Luca Schoppmeier und Luke Herden (v.l.) den kleinen Roboter vor, der entfernt an einen Drachen erinnert. Die Erwachsenen schauen begeistert zu. Foto: Araann J. Christoph 

Die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln hat 20 Robotik-Basis-Sets erhalten, 20 weitere sollen noch hinzukommen. Sie sind Teil des Pilotprojektes „Mobile Robotik Tecklenburger Land“, an dem verschiedene Einrichtungen beteiligt sind. 35 Schulen aus dem Umkreis können sich die Sets ausleihen.

Der kleine Roboter mit den großen Kulleraugen und den Lego-Fangzähnen klappt sein Maul lautstark auf und zu und fährt um die eigene Achse. Eines der Räder bewegt sich dabei gar nicht. Das, versichert Schüler Justus Kahnt, „soll aber so“,

In dem Roboter, der entfernt an einen Drachen erinnert, steckt stundenlange Arbeit. Die Schüler der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln profitieren davon, dass sie die Basis-Sets vor Ort haben und sich an ihnen austoben können. Allerdings ist dies nicht an jeder Schule im Umkreis der Fall.

Um dem entgegenzuwirken und um bei Kindern und Jugendlichen ein Interesse an den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu wecken, haben sich die Adelheid-Windmöller-Stiftung aus Lengerich, die Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe), das zdi-Zentrum Kreis Steinfurt („Zukunft durch Innovation“), die Gemeinde Westerkappeln und die Gesamtschule zusammengetan. Gemeinsam haben sie das Pilotprojekt „MoRoTeck“ auf den Weg gebracht.

„MoRoTeck“, erläutert Johannes Herfurth von der Wespe bei einem Vorstellungstermin mit Vertretern der Einrichtungen und der Gemeinde kürzlich im Schulzentrum, stehe für „Mobile Robotik Tecklenburger Land“. Zugegen waren die Wespe-Vorsitzende Petra Kleen, Simone Quittek (Schulpflegschaft), Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Christian Rapien (zdi-Zentrum Steinfurt) sowie Elisabeth Braumann und Florian Günther von der Adelheid-Windmöller-Stiftung.

Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen einen günstigen und schnellen Zugang zu Robotik-Sets zu ermöglichen. Dies könne etwa im Schulunterricht sein oder in Arbeitsgemeinschaften.

Schulen und andere Bildungseinrichtungen könnten sich diese Robotik-Sets nach Bedarf ausleihen. Aus diesem Grund sollen zunächst 40 Roboter angeschafft werden. 20 dieser Basis-Sets sind bereits da.

„Die Verleihdauer ist ganz individuell. Das kann ein einziger Tag sein oder auch länger im Rahmen des Schulunterrichts“, sagt Herfurth.

Warum gerade diese Basis-Sets des Roboters mit dem Namen Lego Mindstorms EV3 so ideal für das Projekt sind, wird schnell klar. Prinzipiell sind die Roboter in der Lage, verschiedene Handlungsweisen auszuführen. Sie können umherfahren, Dinge greifen oder Hindernisse erkennen und vor ihnen stoppen – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.

Um aber den Roboter dazu zu bringen, das alles auch zu tun, dafür muss zuerst getüftelt werden.

„Robotik erfordert interdisziplinäres Arbeiten“, sagt Herfurth. Mädchen und Jungen müssten sich mit Elek­tronik, Mechanik und Informatik auseinandersetzen. Der Roboter muss ja auch erst einmal zusammengesetzt werden. „Konstruktion und Steuerung gehören dazu.“

Um dem Roboter etwa Grundfunktionen wie Geradeausfahren beizubringen, müssen die Kinder diese Befehle zunächst programmieren. Das kann man entweder auf dem Display machen, der am Mindstorm EV3 befestigt ist, auf dem Laptop oder auf dem Smartphone. Je mehr der Roboter machen soll, desto komplexer wird das Programmieren.

Das Projekt läuft offiziell seit dem 1. Juli dieses Jahres. Bei Kindern und Eltern kommt es gut an. Das bestätigt Schulleiter Manfred Stalz. „Robotik ist der Renner, das läuft bei uns total gut“, erzählt er. Auch lobt er die „wirklich traumhafte Kooperation“ zwischen Schule, Wespe, Gemeinde, zdi-Steinfurt und der Adelheid-Windmöller-Stiftung.

Von dem Projekt „MoRo­Teck“ könnten 35 Schulen im Umkreis profitieren, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zunächst müssten sie die Finanzierung der Basis-Sets nicht selbst stemmen. Rin Lego Mindstorm EV3 kostet bereits rund 400 Euro. Darüber hinaus würden Lehrer und Pädagogen, die die Sets ausleihen wollten, geschult, um sie fit zu machen im Umgang mit den Robotern, erklärt Herfurth. Diese Schulungen würden ebenfalls in Westerkappeln stattfinden.

Das Projektvorhaben ist auf drei Jahre ausgelegt und wird vom Westerkappelner Kinderbüro koordiniert.

Das zdi Steinfurt hat es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, Mädchen und Jungen für MINT-Bereiche zu begeistern und Projekte wie „MoRoTeck“ zu unterstützen.

Die Idee zum Robotik-Verleihsystem stammt aus dem Kreis Borken, erzählt Christian Rapien, Projektmanager beim zdi Steinfurt.

Die Adelheid-Windmöller-Stiftung ist im April 2015 von Adelheid Windmöller, ehemalige geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauunternehmens Windmöller & Hölscher, gegründet worden. Die Stiftung will die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Schülern, Auszubildenden und Studenten sowie Erwachsenen besonders im MINT-Bereich fördern. Daher beteiligen sie sich als Hauptsponsor an „MoRo­Teck“.